|
Die Orchideen bestechen nicht nur durch ihre einzigartig schönen Blüten, sondern auch durch einige morphologische und physiologische Eigenschaften.
|
  |
Orchideen produzieren riesige Mengen an winzigen Samen, die zwar mit dem Wind weit verbreitet werden können, jedoch zur Keimung auf besondere Bedingungen angewiesen sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzensamen hat der Orchideensame keinerlei Nährgewebe zur Verfügung. Daher ist zur Keimung die Infektion mit einem Wurzelpilz notwendig. Der Orchideenembryo ist ein kugeliger Körper, der nur aus etwa 30 Zellen besteht. Er ist von einer dicht anliegenden inneren Samenhülle (Carapace) und einer ballonartigen äußeren Samenschale (Testa) umgeben, die nur aus einer einzigen Schicht von Zellen besteht.
|
 |
Die Mykorrhiza, die Symbiose von Pilz und Orchidee ist intensiv erforscht worden. Zunächst profitiert nur die Orchidee vom Pilz und gewinnt ihm Kohlehydrate, Eiweiße und Aminosäuren ab. Sofern sich ein physiologisches Gleichgewicht des Pilzes und des Keimlings einstellt, wächst er durch sukzessive Verdauung der Nahrung heran. Im weiteren Verlauf ihres Lebens, nach Ausbildung eigener Wurzeln und Blattorgane, ernährt sich die Orchidee überwiegend selbst. Vollmykotrophe Arten wie Korallenwurz (Corallorhiza trifida), Widerbart (Epipogium aphyllum) und Nestwurz (Neottia nidus-avis) bleiben zeitlebens vom Pilz abhängig, da sie kein oder nur wenig Chlorophyll bilden, das für eine autotrophe Ernährung nicht ausreichen würde. Man bezeichnet sie auch als Saprophyten (Fäulnisbewohner). Andere Arten machen sich zumindest weitgehend vom Pilz unabhängig.
|
 |
Die Rhizomorchideen bilden ausdauernde Wurzelstöcke, die knollentragenden Orchideen erneuern dagegen jährlich ihre Wurzelknolle. Während die knollentragende Orchidee ihren Sproß entwickelt, reift bereits die Knolle für das nächste Jahr heran. Nach der Blüte bzw. wenn die Vegetationsphase vorbei ist, stirbt der alte Sproß ab und die neue Knolle überdauert die Ruhephase (den Winter). Viele aus dem Mittelmeergebiet stammenden Arten, beispielsweise die Ragwurze (Ophrys-Arten), die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), der Ohnsporn (Orchis anthropophora) und die Pyramiden-Orchidee (Anacamptis pyramidalis) bilden ihre grünen Blätter schon im Herbst aus. Dies ist als Anpassung an das mediterrane Klima mit milden Wintern und starken Winterniederschlägen zu verstehen. Bei der sehr spät blühenden Herbst-Wendelähre (Spiranthes spiralis) führt diese phänologische Eigenschaft dazu, dass der blühende Stängel, dessen Blätter schon hinfällig sind, neben der neuen Blattrosette der nächsten Vegetationsperiode steht.
|
 |
In unseren Breiten müssen empfindliche Arten mit stärkeren Frösten als in ihrer südländischen Heimat leben, und besonders nach schneearmen Wintern sind häufig Frostschäden an den Blattrosetten zu beobachten. In manchen Jahren setzen Kahlfröste den früh blühenden Orchideenarten zu. Insbesondere das empfindliche Blasse Knabenkraut (Orchis pallens), aber auch dem Ohnsporn (Orchis anthropophora) ist davon in unserer Gegend häufig betroffen. Solche Spätfröste führen zu Frostschäden an den Blüten, manchmal sogar zum Totalausfall der Blüte.
|
  |
Relativ einheitlich ist bei den einheimischen Arten der Aufbau des Sprosses. Aus dem Rhizom oder der Knolle wächst ein beblätterter Stängel. Fast alle Knollenorchideen bilden eine bodennahe Blattrosette aus. Das Sumpf-Weichblatt (Hammarbya paludosa) hat eine Scheinknolle (Pseudobulbe). Bei den saprophytischen Orchideen sind die Blätter nur rudimentär und schuppenartig vorhanden. Aus dem Stängel entwickelt sich eine Infloreszenz (Blütenähre), die je nach Art nur eine oder wenige (beispielsweise beim Frauenschuh, Cypripedium calceolus) beziehungsweise sehr viele Blüten ausbildet. Meist stehen die Blüten allseitig an der Infloreszenz, bei den Stendelwurzen (Epipactis-Arten) und beim Kriechenden Netzblatt (Goodyera repens) einseitswendig, bei der Herbst-Wendelähre (Spiranthes spiralis) spiralförmig.
|