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Etymologie:
Orchis: von gr. όρχις orchis = Hoden; anthropophora: von gr. άνθρωπος anthropos = Mensch, Mann und φερείν pherein = tragen. Die Art wurde bislang meist als Aceras anthropophorum bezeichnet; morphologische Unterschiede, insbesondere das Fehlen eines Sporns, waren Gründe für die Eröffnung einer eigenen Gattung für diese Art. Unter Berücksichtigung phylogenetischer Gesichtspunkte erscheint diese Trennung nicht mehr haltbar, die Art wurde daher wieder in die Gattung Orchis eingegliedert. Die Art hybridisiert mit zahlreichen Arten der Untergattung Orchis. Der inzwischen revidierte Gattungsname Aceras setzt sich aus gr. α- a- = ohne und κέρας keras = Horn zusammen.
Merkmale:
Zierliche Pflanze mit verhältnismäßig vielen (etwa 4-9) glänzenden, lebhaft grünen und länglich-lanzettlich geformten Laubblättern, deren untere rosettig genähert sind, während die oberen den Stängel scheidig umfassen. Hohe, filigrane Infloreszenz mit bis über 100 Blüten. Die eiförmigen, rotgerandeten Sepalen und die etwas kürzeren lanzettlichen Petalen bilden einen halbkugeligen Helm. Lippe spornlos, 12-15 mm lang, hängend, grünlich / ockergelb bis bräunlich/orangerot. Die beiden Zipfel des Mittellappens sind noch etwas länger sind als die Seitenlappen. Am Grund der Lippe zwei typische Schwielen. Die Klebescheiben der Pollinien sind verschmolzen.
Standort:
Sonnige Hügel, kurzgrasige Magerrasen, lichtes Gebüsch, auf trockenen bis mäßig frischen Böden, kalkstet und für unsere Verhältnisse äußerst thermophil. Daher nur an besonders wärmebegünstigten Stellen.
Verbreitung und Bestandssituation:
Der Ohnsporn kommt erst seit jüngerer Zeit in der Rhön vor, doch sind mittlerweile schon eine ganze Reihe weit über das Gebiet verteilter Funde bekanntgeworden – auch in der zentralen Rhön, wo man die Art aufgrund ihres Wärmebedürfnisses wohl kaum vermuten würde. Der erste Nachweis gelang im Bergwinkel. Ein Vorkommen am Giebelrain bei Dietershausen ist durch Nutzungsänderung des Biotops zerstört worden (Schmidt 1971). Die individuenreichste Population ist in der Thüringer Rhön angesiedelt (erstmals H. Burkhard 1968). Jüngst wurden wurden auch im bayerischen Gebiet drei Funde bekannt: einer am Trauf der Hohen Rhön (1994) und zwei im Saaletal bei Hammelburg (1995/1999). Gelegentlich kommt Orchis anthropophora gemeinsam mit Orchis militaris vor und hybridisiert dann auch mit dieser. Auch in der Hessischen Rhön konnte die Art wiedergefunden und bis heute bestätigt werden (AHO Hessen 1983, Klüber 2006). Aufgrund der in den letzten Jahren stark voranschreitenden Weiterverbreitung der Art hat sich ihre Arealgrenze weiter nach Nordosten verschoben (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt).
Gefährdung:
In der Rhön stark gefährdet, jedoch positive Bestandsentwicklung. |