Orchideen der Rhön:
Bienen-Ragwurz – Ophrys apifera

11. November 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Ophrys apifera Huds. 1762
Basionym Ophrys apifera Huds. 1762
Synonyme Orchis apifera (Huds.) Salisb. 1796
Arachnites apifera (Huds.) Hoffm. 1804
Deutsche Namen Bienen-Ragwurz
Blütezeit Anfang Juni – Anfang Juli
Wuchshöhe 20 – 60 cm
Blütengröße 20 – 28 mm
Pflanzengesellschaften V Mesobromion
V Geranion sanguinei
V Erico-Pinion
Florenelement mediterran submediterran pannonisch südatlantisch mittelatlantisch südsubatlantisch südzentraleuropäisch
Rote Listen Deutschland: 2 (stark gefährdet)
Bayern: 2 (stark gefährdet)
Hessen: 3 (gefährdet)
Thüringen: * (ungefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 25% der MTBl.-4tel
verschollen: 4%
Höhenverbreitung:
von ca. 200 m bis 600 m
Gefährdung:
3 (gefährdet)

 

 

 

 

 
Etymologie:
Ophrys: von gr. όφρύς ophrys = Augenbraue; apifera: von lat. apis = Biene und lat. fero = ich trage, also bienentragend.

Merkmale:
Schlanke Pflanze, größte heimische Ragwurz. Blätter hell bläulichgrün, nicht so derb wie die der anderen Ophrys-Arten. Die 2-4 unteren Blätter (bis 2,8 cm breit und 13 cm lang) stehen rosettig genähert, nach oben folgen kleinere. Blütenstand langgestreckt, sehr locker, etwa 3-10blütig. Tragblätter lanzettlich-zugespitzt, etwa so lang wie die Blüten. Sepalen eiförmig-lanzettlich, 11-17 mm lang, lebhaft rosa, oft auch etwas grünlich und manchmal heller bis hin zu weiß. Petalen klein, länglich bis dreieckig, oft nur rudimentär, grün gefärbt, selten auch dunkelbraun, stets behaart. Lippe ausgebreitet (!) 9-14 mm lang, tief dreilappig. Seitenlappen bräunlich und dicht pelzig behaart; zugespitzt, doch höckerförmig und zurückgeschlagen. Mittellappen samtig braun und stark gewölbt mit weinrotem bis hellbraunem Basalfeld. Mal ockergelb und blauviolett oder manchmal auch olivgrün, das Basalfeld umrahmend und etwas nach vorne ausgreifend. Am Rand ist der Mittellappen leicht behaart und vorne mit zwei ockergelben Flecken versehen. Anhängsel rückwärts gerichtet. Säulchen groß, weit vorgestreckt, mit gebogenem Konnektivfortsatz (Schnäbelchen), und mit 2 roten Staminodialpunkten im Narbenbereich. Da in Mitteleuropa kein Bestäuberinsekt vorkommt, ist die Bienen-Ragwurz bei uns autogam, sie bestäubt sich also selbst, indem sich die Pollinien zur Narbe hin biegen. Die Blütengestalt der Art ist sehr variabel, möglicherweise als Folge ihrer Autogamie.

Standort:
Kalk-Halbtrockenrasen, lichtes Gebüsch und lichte Wälder. Auf mäßig trockenen bis wechselfeuchten kalkreichen Böden. Ziemlich wärmeliebend.

Verbreitung und Bestandssituation:
Die Bienen-Ragwurz gehört zu den Arten, die in den vergangenen Jahrzehnten offenbar häufiger geworden sind. In der Rhön gelang der erste sichere Nachweis 1918 (Heuer in: Kümpel 1996), eventuell gehören jedoch die zweifelhaften alten Angaben der Hummel-Ragwurz hierher. Ade (1940) nennt nur einen Wuchsort, Großmann (1970) bereits neun. Inzwischen sind im gesamten Rhöngebiet zahlreiche Funde geglückt, die sich in der nördlichen/östlichen Kuppenrhön und im Tal der Fränkischen Saale häufen. Relativ selten ist die Bienenragwurz dagegen im Regenschatten des Hauptkammes. Diese Art ist in ihrem Blühverhalten und in ihrer Standorttreue launisch wie kaum eine andere heimische Orchidee. Ade bemerkte zum Vorkommen der Bienenragwurz: »selten, einzeln oder in kleinen Gruppen auftretend und ohne ersichtlichen Grund oft wieder ausbleibend«. Über viele Jahre hinweg kann sie mit dem Blühen auszusetzen, und an manchen Wuchsorten findet man deshalb in ungünstigen Jahren kein einziges blühendes Exemplar. Doch in bestimmten Jahren mit förderlicher Witterung treten beachtliche Bestände auf. Nicht nur das Blühverhalten dieser Art ist stark schwankend, die Bestände scheinen auch auf den Standorten umherzuwandern. Felduntersuchungen (z.B. Bockhacker 1995/1996, Stahl 1989/1993) an exemplarischen Populationen haben ergeben, dass die einzelnen Pflanzen verhältnismäßig kurzlebig sind und nicht oft zur Blüte gelangen, und dass die Bienen-Ragwurz besonders sensibel auf die Witterung reagiert: Trockenperioden im Winter und im Frühling können genauso zum Ausbleiben der Blüte führen wie Spätfröste. 1995 war die Bienenragwurz »Orchidee des Jahres«, und sie bejubelte diese Auszeichnung mit ausgesprochen üppiger Blütenpracht. Auch 1999 war in der Rhön ein gutes »Bienenjahr«, 2001, 2002, 2005 und 2008 brachten durchschnittliche Blüherfolge, und in 2006 war nahezu ein Ausfall zu verzeichnen.

Gefährdung:
In der Rhön ist die Bienen-Ragwurz zwar aufgrund ihrer relativen Seltenheit gefährdet, hat aber gegenwärtig eine progressive oder zumindest stabile Bestandssituation zu verzeichnen.
 


 
Variabilität:
Von den zahlreichen Spielarten dieser Art sind auch in unserem Gebiet einige bekanntgeworden: lus. aurita bei Großenlüder, lus. botteroni bei Fulda und Münnerstadt sowie eine bicolor-ähnliche Form im Nüsttal.

Hybriden:
Eine Hybride wurde in der Rhön nachgewiesen; sie wurde sicherlich künstlich erzeugt:
Ophrys apifera × Ophrys insectifera
(Ophrys × pietzschii Kümpel 1971),
Bienen-Ragwurz × Fliegen-Ragwurz

Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Bienen-Ragwurz