Orchideen der Rhön:
Kleines Zweiblatt – Neottia cordata

14. September 2008

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linkes Foto: © Benjamin Schuchardt

Familie Orchidaceae
Gültiger Name Neottia cordata (L.) Rich. 1817
Basionym Ophrys cordata L. 1753
Synonyme Epipactis cordata (L.) All. 1785
Helleborine cordata (L.) F.W.Schmidt 1793
Cymbidium cordatum (L.) Londes 1811
Listera cordata (L.) R.Br. 1813
Serapias cordata (L.) Steud. 1821
Distomaea cordata (L.) Spenn. 1825
Pollinirhiza cordata (L.) Dulac 1867
Diphryllum cordatum (L.) Kuntze 1891
Bifolium cordatum (L.) Nieuwl. 1913, nom. illeg.
Deutsche Namen Kleines Zweiblatt, Herz-Zweiblatt, Herzblättchen
Blütezeit Ende Mai – Mitte Juni
Wuchshöhe 5 – 15 cm
Blütengröße 4 – 5 mm
Pflanzengesellschaften V Vaccinio-Piceion
Florenelement submeridional/montan temperat boreal arktisch
Rote Listen Deutschland: 3+ (gefährdet)
Bayern: 3 (gefährdet)
Hessen: – (nicht vorkommend)
Thüringen: 1 (vom Aussterben bedroht)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 0% der MTBl.-4tel
verschollen: 1%
Höhenverbreitung:
von ca. 300 m bis 500 m
Gefährdung:
0 (ausgestorben)

 

 
Etymologie:
Neottia: von gr. νεοττια neotteia, Nest; cordata: von lat. cordatus = herzförmig. Bis vor kurzem wurde diese Art in der nun aufgelösten Gattung Listera geführt, die nach dem Leibarzt der englischen Königin Anna, Martin Lister (1638-1712), benannt war.

Merkmale:
Sehr zierliches, zartes Pflänzchen. Typisch sind die beiden etwa in Stängelmitte gegenüberstehenden herzförmig-dreieckigen Blättchen. Blütenstand kurz, locker, wenigblütig, meist unter 10 Blüten. Tragblätter kürzer als die Fruchtknotenstiele. Blüten kräftig braunrot mit mehr oder weniger ausgeprägter Grünkomponente. Die Lippe ist 3,5-5 mm lang und läuft in zwei sehr spitze, spreizende Lappen aus; am Lippengrund zwei sehr kurze, aber charakteristische Hörner.

Standort:
In natürlichen oder zumindest naturnahen Nadelwäldern, meist an schattigen, feuchten bis nassen Standorten, vor allem in Moornähe. Am liebsten auf nährstoffarmen, sauren oder zumindest versauerten Böden (gerne auf Torf), fast regelmäßig mit Heidelbeere und Sauerklee vergesellschaftet.

Verbreitung und Bestandssituation:
Kaum gefunden, und schon wieder verschwunden – um 1900 fand der Botaniker Hartmann das Kleine Zweiblatt in einem moorigen Nadelwald der Thüringischen Rhön. Drei Exemplare wanderten ins Herbar Fiedler (Suhl), und seitdem ist diese zierliche Pflanze nie wieder in unserer Gegend nachgewiesen worden. Ob das Vorkommen erst später erloschen ist oder ob Hartmann die einzigen Exemplare abgeräumt hat, ist unbekannt. Ein veröffentlichter, angeblich aktueller Fund (AHO 2006) konnte nicht verifiziert werden. Neufunde in naturnahen Sekundärbiotopen wären überraschend, wenngleich nicht völlig auszuschließen.

Gefährdung:
Das Kleine Zweiblatt gilt in der Rhön seit langem als ausgestorben.

Mehr zum Kleinen Zweiblatt:
» m-klueber.de | Fotos in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Kleines Zweiblatt