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Etymologie:
Neotinea: von gr. νέος neos = neu und dem Namen des sizilianischen Botanikers Tineo (1791-1856); ustulata: von lat. ustulatus = angebrannt. Die Art wird erst seit jüngerer Zeit als Neotinea ustulata bezeichnet. Die Einordnung in die Gattung Neotinea erfolgte unter Berücksichtung phylogenetischer Gesichtspunkte. Auch das nah verwandte Dreizähnige Knabenkraut wurde dort eingegliedert.
Merkmale:
Eines der kleinsten, aber auch eines der schönsten Knabenkräuter. 3-6 rosettig gehäufte blaugrüne Laubblätter, lineal-lanzettlich bis schmal eiförmig, etwa 3-8 cm lang. 1-3 scheidige Stängelblätter. Blütenstand zylindrisch, dicht und reichblütig, im Anfangsstadium der Blüte noch kurz und dunkel, im Ablauf der Blüte sich streckend, wobei die schwärzliche (“angebrannte”) Spitze zusehends “wegschmilzt”. Im voll erblühten Zustand ist der Blütenstand hell und manchmal sehr lang walzenförmig. Tragblatt etwas kürzer als der Fruchtknoten. Blüten sehr klein, als Knospe schwarzbraun, im vollständig geöffneten Zustand hellpurpurn bis weiß. Sepalen und Petalen bilden einen dichten halbkugeligen Helm, der mit der Zeit seine dunkle Färbung verliert. Lippe nur etwa 5-8 mm lang, rot getupft, tief dreilappig mit deutlich längerem, nochmals geteiltem Mittellappen. Sporn sehr kurz, stumpf. Die in der Rhön bisher nicht nachgewiesene subsp. aestivalis blüht ab Ende Juni. Diese spätblühenden Pflanzen haben eine zugespitzte Ähre und runde Blütenhelme, während die frühen (Nominatsippe) eine abgerundete Ähre und spitze Blütenhelme besitzen.
Standort:
In tieferen Lagen wächst Neotinea ustulata vor allem auf Magerwiesen, Waldwiesen, Sandmagerrasen, seltener in lichten Wäldern, im Gebirge gern auf Bergwiesen. Auf basischen bis schwach sauren mäßig trockenen Böden. Im Gebirge vorwiegend auf Kalk, in tieferen Lagen offenbar eher kalkmeidend, zumindest in der Rhön.
Verbreitung und Bestandssituation:
Während das Brand-Knabenkraut im benachbarten Spessart und im Maintal noch recht viele und auch individuenreiche Vorkommen hat, hat sich die Verbreitungssituation in der Rhön seit Beginn der Aufzeichnungen kontinuierlich verschlechtert. Häufungen von Fundangaben sind im Bergwinkel, in der Südrhön und auf der Hohen Rhön zu beobachten. In allen diesen Gebieten sind kaum noch Vorkommen erhalten. Erfreulich ist der Neufund eines großen Vorkommens durch Jan Gensler in 2005. Ein Großteil der Rhöner Funde liegt im Übergangsbereich Oberer Buntsandstein – Unterer Muschelkalk, aber nicht direkt auf Muschelkalk, obwohl die Art an und für sich ja als kalkliebend gilt.
Gefährdung:
In der Rhön ist Neotinea ustulata aufgrund des kontinuierlichen Rückgangs und aufgrund der besonderen Gefährdung ihrer extensiv bewirtschafteten Lebensräume stark gefährdet.
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