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Vor der mittelalterlichen Rodungsphase waren die Hochlagen der Rhön fast vollständig von edelholzreichen Laubwäldern bedeckt, seitdem sind sie jedoch auf vulkanische Kuppen, steile Hanglagen und Bachtäler zurückgedrängt. Heute gehört der montane Laubwald mit seinen differenzierten Pflanzengesellschaften zu den Schätzen der Rhön. An manchen Stellen trifft man noch auf flechtenbehangene »Urwälder« mit faszinierendem Artenreichtum.
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Diese oft noch sehr naturnahen Waldgesellschaften erfahren eine sehr differenzierte Ausprägung, oft mit vielen Zwischen- und Übergangsformen. Je nach den abiotischen Bedingungen am Wuchsort herrschen bestimmte Baumarten vor, die wiederum die Artenzusammensetzung der Krautschicht beeinflussen. Im montanen Laubwald mischen sich sehr stark Bergahorn (Acer platanoides), Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und Bergulme (Ulmus glabra) ein. Im 20. Jahrhundert wurden mancherorts Fichtenwälder aufgeforstet, die nun wieder sukzessive zu Laubwäldern umgebaut werden. Einige Bergwaldgebiete der Rhön sind als Kernzonen im Biosphärenreservat von jeglicher Nutzung ausgenommen.
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Die nährstoffreichen montanen Wälder bieten Lebensräume für einen faszinierenden Reichtum an seltenen Tier- und Pflanzenarten. Die Krautschicht ist in der Regel sehr dicht und auch ziemlich hochwüchsig. Typische Kräuter der Bergwälder sind Hexenkraut (Circaea lutetiana), Zwiebel-Zahnwurz (Cardamine bulbifera), Wald-Wicke (Vicia sylvatica) und Hohler Lerchensporn (Corydalis cava). Nicht selten ist die Deutsche Hundszunge (Cynoglossum germanicum), die in der Rhön ihr Hauptverbreitungsgebiet hat. Der Geißbart (Aruncus dioicus) ist selten. An feuchten Stellen wachsen gern Aronstab (Arum maculatum), Einbeere (Paris quadrifolia), Bärlauch (Allium ursinum) und Märzbecher (Leucojum vernum), an Waldbächen findet man die Milzkraut-Arten (Chrysosplenium spec.). Als lokale Besonderheit kommt auf der Basaltkuppe des Arzberges der Zweiblättrige Blaustern (Scilla bifolia) vor.
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Im subalpinen Schluchtwald der Hohen Rhön trifft man auf eine außerordentlich reiche Pflanzenassoziation mit Silberblatt (Lunaria rediviva), Alpenmilchlattich (Cicerbita alpina), Breitblättriger Glockenblume (Campanula latifolia), Quirlblättrigem Salomonsiegel (Polygonatum verticillatum), Platanenblättrigem Hahnenfuß (Ranunculus platanifolius), Gelbem Eisenhut (Aconitum lycoctonum) und Glänzendem Kerbel (Anthriscus nitida).
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So unterschiedlich die Waldgesellschaften ausgeprägt sind, so unterschiedlich sind auch die Orchideenvorkommen. Auf vulkanischen Böden wachsen beispielsweise das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), die Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha) und das sehr seltene Schmalblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia). Auf Kalkstandorten sind dagegen die wenigen verbliebenen Vorkommen des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus) angesiedelt. Stellenweise wachsen auch Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), Großes Zweiblatt (Neottia ovata), Nestwurz (Neottia nidus-avis), Breitblättrige (Epipactis helleborine) und Violette Stendelwurz (E. purpurata) im montanen Laubwald, aber auch die sehr unscheinbare Kleinblättrige Stendelwurz (Epipactis microphylla) dringt bis hoch ins Bergland vor. Eine der eigenartigsten heimischen Orchideen gilt als verschollen: Der Widerbart (Epipogium aphyllum) wurde nur wenige Male am östlichen Trauf der Hohen Rhön gefunden, zuletzt 1984. Er blüht sehr unregelmäßig, so dass ein Wiederfund durchaus zu erhoffen ist.
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