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Etymologie:
Himantoglossum: von gr. ίμάς himas = Riemen und gr. γλώσσα glossa = Zunge; hircinum: von lat. hircus = Bock.
Merkmale:
Die kräftigste und stattlichste aller heimischen Orchideen. Die insgesamt etwa 7-12 Blätter (bis 15 cm lang und 5 cm breit) stehen überwiegend am Stängelgrund, weitere kleinere Blätter umhüllen den Stängel. Die Grundblätter welken bereits während der Blüte. Der Blütenstand ist lang, sehr dicht- und reichblütig (bis zu 120 Blüten) und von wirrem Aussehen. Tragblatt schmal, zugespitzt und 1-2mal so lang wie der Fruchtknoten. Unverwechselbar sind die grünlich bis braunlila gefärbten Blüten: Der riemenartige, verdrillte, bis zu 7 cm lange Mittellappen der Lippe ragt weit aus dem Blütenschopf heraus; in der sich öffnenden Knospe ist er uhrfederartig eingerollt. Seitenlappen etwa 1-2 cm lang und aufwärts gebogen. Am Grund ist die Lippe purpurrot getupft und seitlich gewellt. Der kegelförmige Sporn ist 3-6 mm lang. Ein sehr starker, etwas unangenehm süßlicher Duft entströmt den Blüten.
Standort:
Die Bocks-Riemenzunge kommt in Magerrasen, Buschland und Streuobstwiesen vorwiegend in Weinbergslagen vor. Sie benötigt kalkreichen, mäßig trockenen Boden und wächst bei uns nur in den mildesten Gegenden; sehr wärmeliebend und frostempfindlich.
Verbreitung und Bestandssituation:
Die Bocks-Riemenzunge ist in Deutschland derzeit auf dem Vormarsch gen Norden. Diese Ausbreitungstendenz ist auch in der Rhön und den angrenzenden Gebieten unübersehbar. Sicherlich spielt dabei die warme Witterung der vergangenen Jahre eine wesentliche Rolle. Vor einigen Jahrzehnten war die Bocks-Riemenzunge noch ein Fremdling in unserer heimsichen Flora; für den überraschenden Erstfund in Franken (am Main bei Bamberg) fand Ade 1940 eine erstaunliche Erklärung: »Vermutlich mit französischen Luzernesamen während des [Ersten] Weltkrieges eingeschleppt«, schrieb er – in Anbetracht der heutigen Verbreitungssituation in Unterfranken mag man darüber schmunzeln, denn die Autochthonie der vielen neuen Vorkommen zieht wohl kaum noch jemand in Zweifel.
Im Gebiet der Rhön wurde die Bocks-Riemenzunge zuerst 1960-62 temporär in der Thüringischen Rhön nachgewiesen, 1966 dann an der Fränkischen Saale, wo sie bis bis in die 1990er Jahre eine Populationsstärke von mehreren tausend Pflanzen erreichte. Inzwischen gehen die Bestände wieder zurück, möglicherweise aufgrund zunehmender Trockenheit in den vollsonnigen Hangbereichen. In jüngerer Zeit wurden Funde im Saaletal und am Rand der Fränkischen Platte bekannt, später im Bergwinkel und wiederum in der Thüringischen Rhön, jüngst auch an mehreren Stellen in der hessischen Kuppenrhön.
Gefährdung:
In der Rhön wird für die Bocks-Riemenzunge derzeit eine deutliche Ausbreitungstendenz verzeichnet. Aufgrund dieser Entwicklung ist diese Art in der Rhön »nur noch« gefährdet, aber nicht mehr vom Aussterben bedroht, wenngleich sie an ihren Standorten – besonders sonnigen, südexponierten Steilhängen auf Kalk – stellenweise von Verbuschung sowie von Trockenheit bedroht ist. Als eine der spektakulärsten Orchideenarten im Gebiet ist diese Art insbesondere an ihren bekannteren Wuchsorten auch durch den Menschen unmittelbar gefährdet (Fotografieren, Abpflücken, Ausgraben).
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