Orchideen der Rhön:
Sumpf-Weichblatt – Hammarbya paludosa

6. September 2008

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Fotos: © Jimmy Lassen | dk-orkideer.dk

Familie Orchidaceae
Gültiger Name Hammarbya paludosa (L.) Kuntze 1891
Basionym Ophrys paludosa L. 1753
Synonyme Epipactis paludosa (L.) F.W.Schmidt 1795
Malaxis paludosa (L.) Sw. 1800
Orchis paludosa (L.) Pall. 1776
Sturmia paludosa (L.) Rchb. 1829
Deutsche Namen Sumpf-Weichblatt, Sumpf-Weichkraut, Sumpf-Weichwurz, Sumpf-Weichorchis
Blütezeit Mitte Juli – Anfang August
Wuchshöhe 5 – 13 cm
Blütengröße 2 – 3 mm
Pflanzengesellschaften V Rhynchosporion albae
Florenelement temperat boreal
Rote Listen Deutschland: 2 (stark gefährdet)
Bayern: 2 (stark gefährdet)
Hessen: 0 (ausgestorben)
Thüringen: 1 (vom Aussterben bedroht)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 1% der MTBl.-4tel
verschollen: 0%
Höhenverbreitung:
von ca. 400 m bis 500 m
Gefährdung:
2 (stark gefährdet)
Etymologie:
Hammarbya: benannt nach der schwedischen Stadt Hammarby, dem Sommersitz Linnés in der Nähe von Uppsala; paludosa: von lat. paludosus = sumpf-.

Merkmale:
Kleinste Orchideenart der Rhön. Sehr zartes, unscheinbares, ganz grün gefärbtes Pflänzchen. Stängel am Grund mit einer von Schuppenblättern eingehüllten Scheinknolle, die 1-2 cm über der des Vorjahres steht. 2-3 grundständige lanzettliche Laubblätter, oberstes am größten (8-30 mm lang und 5-11 mm breit). Am oberen Rand tragen die Laubblätter kleine Brutknospen. Blütenstand locker und reichblütig mit bis zu 35 Blüten. Diese sind winzig klein und gelblichgrün. Sepalen eiförmig, zurückgeschlagen, etwa 2 mm lang. Petalen etwas kürzer, an der Spitze zurückgeschlagen. Die Lippe ist etwa 1,5 mm lang, zugespitzt und hüllt das Säulchen ein. Da sich das Stielchen des Fruchtknotens um 360° dreht, weist die Lippe nach oben.

Standort:
In Hochmoorschlenken, Zwischenmooren und Verlandungszonen von Seen. Oft unmittelbar am Wasser wachsend oder sogar im Wasser zwischen Torfmoosen wurzelnd. Auf torfigen, nährstoffarmen, sauren Böden.

Verbreitung und Bestandssituation:
Das Sumpf-Weichblatt ist in der Rhön die einzige Orchideenart der Hochmoore, jedoch wächst sie nicht in den Versumpfungsmooren der Hochrhön, sondern in Verlandungsmooren der östlichen Vorderrhön. Hier kommt sie nur an zwei altbekannten Fundstellen vor. Die Vorkommen sind isoliert, und die wenigen sonstigen Funde in Thüringen sowie in Hessen und Nordbayern sind erloschen. Die Rhöner Fundorte sind zwar noch aktuell bestätigt, die Individuenzahl ist aber sehr gering. Das Aufsuchen der Pflanzen muß aufgrund der prekären Bestandssituation und der äußerst empfindlichen Vegetation unbedingt unterbleiben (Naturschutzgebiet!). Da beide Standorte verlandete Seen sind, ist eine Begehung ohnehin gefährlich, und es wäre ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen, diese winzigen, oft nur streichholzgroßen Pflänzchen ohne kundige Begleitung finden zu wollen. Hammarbya paludosa ist in ganz Deutschland sehr gefährdet, zumal der weitaus größte Teil der Standorte in der Norddeutschen Tiefebene vernichtet wurde.

Gefährdung:
Hammarbya paludosa ist in der Rhön akut vom Aussterben bedroht. An ihren Standorten war sie schon beim erstmaligen Auffinden in spärlicher Anzahl vorhanden, und das ist bis in unsere Tage so geblieben. Ihre Lebensräume stehen unter strengstem Schutz und dürfen nicht betreten werden, da schon die geringsten Schädigungen des sensiblen Lebensraumes zum Erlöschen der Kleinpopulationen führen könnten.

Mehr zu dieser Art:
» de.wikipedia.org | Sumpf-Weichorchis