Orchideen der Rhön:
Widerbart – Epipogium aphyllum

8. September 2008

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Alle Aufnahmen aus Südbaden; Fotos: © Benjamin Schuchardt

Familie Orchidaceae
Gültiger Name Epipogium aphyllum Sw. 1814
Basionym Orchis aphylla F.W.Schmidt 1791, nom. illeg.
Synonyme Satyrium epipogium L. 1753
Epipactis epipogium (L.) All. 1789
Limodorum epipogium (L.) Sw. 1799
Epipogium gmelinii Rich. 1817
Serapias epigogium (L.) Steud. 1821
Epipogium epipogium (L.) H.Karst. 1881, nom. inval.
Epipogium generalis E.H.L.Krause 1905
Deutsche Namen Widerbart, Blattloser Widerbart, Ohnblatt
Blütezeit Ende Juli – Anfang August
Wuchshöhe 5 – 20 cm
Blütengröße 15 – 22 mm
Pflanzengesellschaften V Asperulo-Fagion
V Galio rotundifolii-Abieton
V Vaccinio-Piceion
Florenelement submediterran mittelatlantisch subatlantisch zentraleuropäisch karpatisch sarmatisch mittelsibirisch skandinavisch
Rote Listen Deutschland: 2 (stark gefährdet)
Bayern: 2 (stark gefährdet)
Hessen: 2 (stark gefährdet)
Thüringen: 1 (vom Aussterben bedroht)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 0% der MTBl.-4tel
verschollen: 2%
Höhenverbreitung:
von ca. 500 m bis 800 m
Gefährdung:
0 (ausgestorben)

 

 

 

 

 
Etymologie:
Epipogium: von gr. ἐπί epi- = aufwärts und gr. πωγών pogon = Bart (bei früheren Botanikern wurde die Orchideenlippe als »Bart« bezeichnet); aphyllum: von gr. α-φύλλοσ aphyllos = blattlos.

Merkmale:
Unverwechselbare, blattlose Pflanze von eigenartigem Aussehen (Saprophyt). Der Stängel ist röhrig und verhältnismäßig dick, blaßgelb-braunviolett, am Grund mit mehreren Schuppenblättern. Er trägt nur wenige (1-8) aber ziemlich große Blüten, deren Lippen nach oben stehen. Perigonblätter gelb, linealisch, fast gleich lang (10-17 mm) und abwärts gerichtet. Lippe weiß, dreilappig. Seitenlappen abgerundet, aufwärts gerichtet. Mittellappen aufwärts stehend, oval bis dreieckig, ganzrandig oder etwas gekerbt, mit 4-6 purpurroten Längsstreifen. Sporn sackförmig, senkrecht nach oben gerichtet. Der Widerbart neigt zur Selbstbestäubung, soll manchmal sogar unterirdisch blühen und ist am Standort über Jahre hinweg oft nicht zu sehen.

Standort:
Schattige Wälder der montanen Stufe, auf humusreichen nährstoff- und basenreichen Böden. Wächst gern zwischen moderndem und faulendem Holz und Laub.

Verbreitung und Bestandssituation:
Der Widerbart wurde in der Rhön nur wenige Male gefunden, zuletzt 1981 in montanen Laubwäldern am Trauf der Hohen Rhön (vid. W. Malkmus, H. Ort, F. Mährlein), seitdem gilt er als verschollen, obwohl potentielle Standorte durchaus vorhanden sind. Die Art ist in ganz Deutschland sehr selten, größere Bestände sind die Ausnahme. Von dieser Orchidee ist bekannt, dass sie über viele Jahre und sogar Jahrzehnte mit der Blüte aussetzt oder aber unterirdisch blüht; insofern besteht Hoffnung, dass der Widerbart auch in der Rhön noch vorkommt. Vielleicht wird er eines Tages wieder einmal entdeckt.

Gefährdung:
Epipogium aphyllum gilt in der Rhön als verschollen, ist aber vielleicht noch existent. Aufgrund der verborgenen Lebensweise sind Wieder- oder Neuentdeckungen nicht auszuschließen.

Mehr zu dieser Art:
» de.wikipedia.org | Blattloser Widerbart