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Etymologie:
Epipactis: Dieser Pflanzenname wurde von Theophrast, einem antiken griechischen Philosophen und Botaniker, geprägt. Er verwendete ihn jedoch für andere Pflanzen. Erst der Göttinger Botanik-Professor Johann Gottfried Zinn wandte ihn 1757 auf die Stendelwurze an. leptochila: von gr. λεπτός leptos, fein, dünn und gr. χείλος cheilos, Lippe.
Merkmale:
Stattliche Pflanze mit leicht behaartem Stängel und 4-10 hell- bis dunkelgrünen Blättern, die – zweizeilig angeordnet – am Stängel verteilt sind und oft etwas schlaff nach unten hängen. Sie sind eiförmig bis lanzettlich, etwa 5-10 cm lang, 2-4 cm breit und werden nach oben hin tragblattartig. Der Blütenstand ist aufgelockert und trägt bis etwa 30 Blüten. Die Brakteen sind verhältnismäßig groß und weitabstehend (manchmal auch hängend). Auch die Blüten hängen oder stehen weit ab, sie sind ebenfalls groß, ihre Färbung ist ein blasses Grün, gelegentlich mit Rotschimmer. Die zweiteilige, 4-9 mm lange Lippe hat ein halbkugeliges, innen rötlich glänzendes Hypochil mit V-förmiger Öffnung. Das Epichil ist deutlich länger als breit und streckt sich spitz nach vorne. Die Pollenfächer der Art sind gestielt, in der geöffneten Blüte ist das Rostellum fehlend oder zumindest nicht funktionsfähig (obligat autogame Art).
Standort:
Laubwälder (vor allem Waldmeister-reiche Kalkbuchenwälder), auf mäßig trockenen bis mäßig feuchten und stets kalkreichen Böden. Die Schmallippige Stendelwurz bevorzugt schattige Stellen und meidet Südlagen.
Verbreitung und Bestandssituation:
Die Verbreitung dieser Art war lange unklar. Großmann schreibt 1970, dass eine klare Unterscheidung der Funde von Epipactis leptochila und Epipactis muelleri nicht möglich sei, weil die autogamen Epipactis-Arten bei älteren Autoren nicht als selbständige Arten, sondern als “Epipactis viridiflora” bezeichnet wurden – ein Name, der zu allem Überfluss eigentlich zu Epipactis purpurata gehört. Da seit 1982 auch noch Epipactis neglecta unterschieden wird, sind ältere Angaben völlig unbrauchbar geworden. Wenngleich inzwischen konkrete Kartierungsdaten vorliegen, ergibt sich auch heute noch ein etwas verschwommenes Bild von der Verbreitung dieser Art in der Rhön. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist sie die seltenste der heimischen Stendelwurz-Arten. Am häufigsten kommt sie noch in der thüringischen Rhön vor, zerstreut ist sie in der hessischen Kuppenrhön und im Bergwinkel zu finden, selten im fränkischen Gebietsteil. Im Gegensatz zu den anderen Epipacten bevorzugt diese Art sehr schattige, nordseitige Standorte und Wälder mit altem Baumbestand.
Gefährdung:
Die Schmallippige Stendelwurz ist in der Rhön weniger durch konkrete Bedrohungen als vielmehr durch ihre relative Seltenheit gefährdet.
Variabilität:
Die kleistogame var. altensteiniana (descr. Kümpel 1982), deren Blüten sich nicht öffnen, wurde in
der Rhön nachgewiesen (Kretzschmar in AHO 2006). |