Orchideen der Rhön:
Fleischfarbenes Knabenkraut – Dactylorhiza incarnata

20. November 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Dactylorhiza incarnata (L.) Soó 1962
Basionym Orchis incarnata L. 1755
Synonyme Orchis latifolia var. incarnata (L.) Crép. 1884
Dactylorchis incarnata (L.) Verm. 1947
Deutsche Namen Fleischfarbenes oder Steifblättriges Knabenkraut, Fleischfarbene oder Steifblättrige Fingerwurz
Blütezeit Ende Mai – Mitte Juni
Wuchshöhe 20 – 60 cm
Blütengröße 10 – 12 mm
Pflanzengesellschaften V Calthion
V Molinion caeruleae
Florenelement submeridional/montan, temperat, boreal
Rote Listen Deutschland: 2 (stark gefährdet)
Bayern: 3 (gefährdet)
Hessen: 2 (stark gefährdet)
Thüringen: 1 (vom Aussterben bedroht)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 2% der MTBl.-4tel
verschollen: 10%
Höhenverbreitung:
von ca. 180 m bis 600 m
Gefährdung:
1 (vom Aussterben bedroht)

 

 

 

 
Etymologie:
Dactylorhiza: von gr. δάκτυλος dactylos = Finger und ρίζα rhiza = Wurzel ; incarnata: von lat. incarnatus = zu Fleisch geworden (als Anspielung auf die Blütenfarbe).

Merkmale:
Schlankes Knabenkraut. 4-7 ungefleckte, meist steil aufgerichtete Laubblätter, bis zu 20 cm lang und schmal lanzettlich mit kapuzenförmig zusammengezogener Spitze. Blütenstand dicht, bis 50blütig. Tragblätter länger als die Blüten. Diese sind ziemlich klein (Lippe 4,5-8 mm lang) und fleischfarben. Typisch ist das Schleifenmuster im Mittelteil der schwach dreilappigen, seitlich abwärts gebogenen Lippe. Sporn fast gerade, kegelförmig und etwa 6,5-10 mm lang.

Standort:
Naßwiesen, Flachmoore, im Röhricht. Auf basenreichen und stickstoffarmen Böden, eher im Tiefland verbreitet.

Verbreitung und Bestandssituation:
Das Fleischfarbene Knabenkraut war in der Rhön schon immer selten, da sie Naßwiesen im Tiefland bevorzugt und höhere Lagen meidet. Als Art der Talwiesen ist sie besonders bedroht von landwirtschaftlicher Nutzbarmachung und von sekundärer Eutrophierung aus umliegenden Wiesen. In der jüngeren Vergangenheit konnten nur noch wenige Funde bestätigt werden. Eine Häufung der Vorkommen war im Bergwinkel und im südwestlichen Randgebiet der Rhön zu beobachten, auch hier ist die Art inzwischen äußerst selten.

Gefährdung:
In der Rhön steht diese Art am Rande des Aussterbens; sie kommt nur noch in wenigen kleinen Restpopulationen am südwestlichen Gebietsrand, im Grabfeld sowie am Trauf der Hochrhön vor.

Hybride:
Dactylorhiza incarnata (L.) Soó × Dactylorhiza majalis (Rchb.) P.F.Hunt & Summerh.
(Dactylorhiza × aschersoniana), Fleischfarbenes Knabenkraut × Breitblättriges Knabenkraut. Sehr selten, nur am südlichen Gebietsrand nachgewiesen (Malkmus 1994, 2006).

Problematik:
Die alten Fundangaben dieser Art sind vermutlich nicht alle zuverlässig; noch heute wird diese Art gelegentlich mit ungefleckten Formen des Breitblättrigen Knabenkrautes verwechselt. Auch eine Fundangabe vom Kreuzberg-Südhang betrifft möglicherweise eine auffällige dort vorkommende Lokalsippe des Breitblättrigen Knabenkrautes (siehe dort).

Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Fleischfarbenes Knabenkraut