Orchideen der Rhön:
Schmalblättriges Waldvögelein – Cephalanthera longifolia

20. September 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Cephalanthera longifolia (L.) Fritsch 1888
Basionym Serapias helleborine var. longifolia L. 1753
Synonyme Serapias grandiflora L. 1767, nom. illeg.
Serapias longifolia (L.) Scop. 1772, nom. illeg.
Serapias lonchophyllum L.f. 1782, nom. illeg.
Serapias xiphophyllum Ehrh. ex L.f. 1782
Serapias ensifolia Murray 1784, nom. illeg.
Serapias nivea Vill. 1787, nom. illeg.
Epipactis ensifolia F.W.Schmidt 1795
Epipactis grandiflora (L.) Sm. 1795
Cymbidium xiphophyllum (Ehrh. ex L.f.) Sw. 1799
Epipactis pallens Sw. 1805, nom. illeg.
Epipactis xiphophylla (Ehrh. ex L.f.) Sw. 1805
Serapias pallida Wahlenb. 1814
Cephalanthera ensifolia Rich. 1817, nom. illeg.
Cephalanthera pallens Rich. 1817
Cephalanthera grandiflora Gray 1821, nom. illeg.
Cephalanthera lonchophylla Rchb.f. 1851, nom. illeg.
Cephalanthera xiphophyllum Rchb.f. 1851, nom. illeg.
Limodorum grandiflorum (L.) Kuntze 1891, nom. illeg.
Limodorum longifolium (L.) Kuntze 1891, nom. illeg.
Deutsche Namen Schmalblättriges Waldvögelein, Schwertblättriges Waldvögelein, Langblättriges Waldvögelein
Blütezeit Mitte Mai – Mitte Juni
Wuchshöhe 15 – 55 cm
Blütengröße 12 – 18 mm
Pflanzengesellschaften V Cephalanthero-Fagion
V Erico-Pinion
Florenelement meridional/montan submeridional temperat
Rote Listen Deutschland: * (ungefährdet)
Bayern: 3 (gefährdet)
Hessen: 3 (gefährdet)
Thüringen: 3 (gefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 13% der MTBl.-4tel
verschollen: 13%
Höhenverbreitung:
von ca. 200 m bis 800 m
Gefährdung:
2 (stark gefährdet)

 

 

 

 
Etymologie:
Cephalanthera: von gr. κεφαλή kephalē, Kopf und ανθηρός anthērós = blühend; dieser Name bezieht sich auf das kopfähnliche Aufsitzen der Anthere auf dem Säulchen; longifolia: von lat. longus = lang, lat. folium = Blatt.

Merkmale:
Diese Art ist einfach an den 4-12 aufrechten, sehr langen (bis 18 cm) schmal-lanzettlichen Blättern zu erkennen. Blütenstand bis zu 40blütig; nur die untersten Tragblätter sind ähnlich groß wie die Laubblätter, die anderen sind sehr viel kürzer. Ihre Blüten sind reinweiß und stehen ab; sie öffnen sich nicht ganz. Sepalen 14-18 mm lang, spitz; Lippe 7-10 mm lang, Das Hypochil trägt orangegelbe Flecken und aufgerichtete Seitenlappen; Epichil mit orangegelben Leisten.. Wichtigste Unterscheidungsmerkmale zum ähnlichen Weißen Waldvögelein sind die rein weißen Blüten, die kleinen Tragblätter und die mehr oder weniger steil aufrecht abzweigenden Blätter.

Standort:
Lichte Wälder, Waldränder und Gebüsche, auch Bergwälder, am liebsten an grasigen, halbschattigen Stellen wachsend. Auf mäßig trockenen Böden, nicht an Kalk gebunden, doch offenbar im Tiefland eher basiphil als in den Bergen.

Verbreitung und Bestandssituation:
Schon Großmann schrieb 1970, dass das Schmalblättrige Waldvögelein »die am wenigsten häufige Cephalanthera-Art, jedoch auch am wenigsten streng an Kalk gebunden« ist. In der Rhön war es immer schon selten. Bereits Goldschmidt (1910) zitiert nur wenige Fundorte in der nördlichen und östlichen Vorderrhön sowie an den Randbergen der Hohen Rhön. Er schreibt, dass er selbst die Art nie im Gebiet finden konnte! Ade (1940) und Großmann (1970) erwähnen dazu noch einige Fundorte im Bergwinkel. Offenbar wird das Schmalblättrige Waldvögelein in der Rhön ständig seltener, nur noch wenige Fundangaben konnten in den vergangenen zwei Jahrzehnten bestätigt werden. Die verbliebenen Vorkommen sind entweder im lichten montanen Laubwald auf Basalt oder aber in lichten termophilen Wäldern der tiefen Lagen auf Kalk angesiedelt. Nach heutigen Kenntnissen kommt das Schmalblättrige Waldvögelein in der zentralen und nördlichen Rhön nur noch an ganz wenigen Standorten vor, eine gewisse Häufung von Funden gibt es lediglich in thermophilen Laubwäldern der Muschelkalkgebiete um Meiningen, im Bergwinkel und an den Rändern der Fränkischen Muschelkalkplatten.

Gefährdung:
In der Rhön ist das Schmalblättrige Waldvögelein sehr selten und stark gefährdet. In den Kerngebieten der Rhön scheint die Art vor dem Aussterben zu stehen, in der östlichen Vorderrhön, im Bergwinkel und am Rand der Fränkischen Platte sind noch einige stärkere Populationen bekannt. Hier ist sie potentiell durch Forstmaßnahmen und Sukzession gefährdet.

Hybride:
Cephalanthera longifolia × Cephalanthera damasonium (Cephalanthera × schulzei E.G. Camus, Bergon & A. Camus 1908), Schmalblättriges Waldvögelein × Weißes Waldvögelein. Selten, beispielsweise in der Thüringischen Rhön (Quelle: Horst Kümpel, Die wildwachsenden Orchideen der Rhön, 1996) oder jüngst im Bergwinkel (M. Raschka, schriftlich, 2008) nachgewiesen.

Mehr zum Schmalblättrigen Waldvögelein:
» m-klueber.de | Fotos in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Schwertblättriges Waldvöglein