Orchideen der Rhön:
Bergwiesen, Borstgrasrasen

28. April 2008

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Zu den wertvollsten Biotopen der Rhön zählen zweifelsohne die Bergwiesen und Borstgrasrasen der höheren Lagen. Im Unterschied zu den anderen deutschen Mittelgebirgen wurden in der Rhön nicht nur die Berghänge, sondern auch die Hochlagen als Weidegebiete oder Heuwiesen genutzt. Bereits im Hochmittelalter waren die Plateaus der Hohen Rhön nahezu entwaldet. Aufgrund ihrer besonderen klimatischen Exposition bot das Grasland der Hohen Rhön Lebensräume für Arten, die sonst eher in höheren Gebirgen vorkommen.
 
Die ökologische Vielfalt der Borstgrasrasen ist in der Rhön größer als in allen anderen deutschen Mittelgebirgen. In diesen sehr mageren Habitaten macht sich der starke Eintrag von Luftimmissionen besonders folgenreich bemerkbar. Borstgrasrasen sind die vorherrschende Vegetation im Offenland auf der Hohen Rhön. Hier kommen noch eine ganze Reihe sub- und dealpiner Arten vor, die in anderen Mittelgebirgen schon verschwunden sind. Die landschaftstypischen Borstgrasrasen der Rhön können aufgrund ihres geringen Ertrages heute nur noch mit Subventionen erhalten werden. Dabei erfolgt eine sehr schonende und extensive Landnutzung, die den Belangen von botanischem und faunistischem Artenschutz Rechnung trägt.
 
Stellenweise herrschen hochwüchsigere Pflanzengesellschaften vor, die mit den alpinen Hochstauden- und Lägerfluren vergleichbar sind. Charakterpflanzen sind hier Blauer und Gelber Eisenhut (Aconitum napellus und lycoctonum), Berg-Flockenblume (Centaurea montana), Türkenbund-Lilie (Lilium martagon), im Kontakt zu Gebüschen auch Rispiger Eisenhut (Aconitum variegatum) und Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina). Nur wenige Orchideen können hier gedeihen, lediglich Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) und Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha) finden sich manchmal zwischen den hohen Kräutern. Das Holunder-Knabenkraut (Dactylorhiza sambucina) wurde noch vor etwa 100 Jahren sporadisch gefunden, gilt seitdem jedoch als verschollen.
 
In der mageren Ausprägung des Borstgrasrasens wachsen einige Rhöner Charakterpflanzen: Katzenpfötchen (Antennaria dioica), Arnika (Arnica montana), Echte Mondraute (Botrychium lunaria), Karthäuser-, Heide- und Prachtnelke (Dianthus carthusianorum, deltoides und superbus), Färber-Ginster (Genista tinctoria) und Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) kommen hier teils in großen Mengen vor. Als große Besonderheit wächst auch das Weißzüngel (Pseudorchis albida) sehr selten in diesem Habitat, es ist inzwischen akut vom Aussterben bedroht.
 
An den Hängen der Rhöner Kuppen sind stellenweise noch bunt blühende Bergwiesen zu finden. Sie werden typischerweise zweimal im Jahr gemäht, um Heu und Grummet zu gewinnen. Die Artenzusammensetzung ist von diesem Bewirtschaftungsrhythmus wesentlich beeinflusst. Artenreiche Bergwiesen sind selten geworden, weil viele Landwirte von der sehr wetterabhängigen und arbeitsintensiven Heugewinnung zur Silagenutzung übergegangen sind. Umso wichtiger ist der Schutz der verbliebenen Borstgrasrasen und Bergwiesen geworden. Ihre Erhaltung kann heute nur mit Subventionen und abgestimmten Pflegeplänen gesichert werden.
 
Stellenweise sind noch die rhöntypischen Goldhafer-Storchschnabelwiesen anzutreffen, die in dieser Artenzusammensetzung einmalig sind. An Orchideen wachsen hier nicht nur Großes Zweiblatt (Neottia ovata), Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und die beiden Waldhyazinthen (Platanthera bifolia und P. chlorantha), sondern auch einige Knabenkräuter: Manns- (Orchis mascula), Kleines (Anacamptis morio), Breitblättriges (Dactylorhiza majalis) und sogar das sehr seltene Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata), eine der kleinsten und hübschesten Orchideen unserer Heimat. Es gedeiht in der Rhön leider nur noch in wenigen verborgenen Wiesen am Rande der Hohen Rhön sowie im Bergwinkel.
 
Orchideenarten in Silikatrasen:
Dactylorhiza fuchsii – Fuchs’ Knabenkraut
Dactylorhiza majalis – Breitblättriges Knabenkraut
Dactylorhiza sambucina † – Holunder-Knabenkraut
Dactylorhiza viridis – Grüne Hohlzunge
Gymnadenia conopsea – Mücken-Händelwurz
Neottia ovata – Großes Zweiblatt
Neotinea ustulata – Brand-Knabenkraut
Orchis mascula – Manns-Knabenkraut
Platanthera bifolia – Weiße Waldhyazinthe
Platanthera chlorantha – Grünliche Waldhyazinthe
Pseudorchis albida – Weißzüngel
Mehr zu Silikatrasen:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Borstgrasrasen