Orchideen der Rhön:
Pyramiden-Orchidee – Anacamptis pyramidalis

8. November 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Anacamptis pyramidalis (L.) Rich. 1817
Basionym Orchis pyramidalis L. 1753
Synonyme Aceras pyramidale (L.) Rchb.f. 1850
Orchis bicornis Gilib. 1792, nom. illeg.
Orchis condensata Desf. 1799
Orchis appendiculata Stokes 1812
Orchis brachystachys d’Urv. 1822
Deutsche Namen Pyramiden-Orchidee, Spitzorchis, Hundswurz, Pyramidenstendel, Kammstendel
Blütezeit Anfang Juni – Mitte Juli
Wuchshöhe 20 – 70 cm
Blütengröße 8 – 12 mm
Pflanzengesellschaften V Mesobromion
V Molinion caeruleae
V Geranion sanguinei
Florenelement meridional submeridional temperat
Rote Listen Deutschland: 2 (stark gefährdet)
Bayern: 2 (stark gefährdet)
Hessen: 2 (stark gefährdet)
Thüringen: 0 (ausgestorben); inzwischen jedoch wieder nachgewiesen
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 7% der MTBl.-4tel
verschollen: 2%
Höhenverbreitung:
von ca. 200 m bis 550 m
Gefährdung:
2 (stark gefährdet)

 

 

 

 
Etymologie:
Anacamptis: von gr. ανακάμτειν anakamptein = aufbiegen, umbiegen. Dies bezieht sich vermutlich auf die aufgebogenen Höckerchen auf der Lippe dieser Art; pyramidalis: von lat. pyramidalis = pyramidenförmig.

Merkmale:
Sehr schlanke Pflanze mit 4-10 nach oben kleiner werdenden Laubblättern, wobei die unteren eine Grundrosette bilden und die oberen wechselständig am Stängel angeordnet sind. Typisch ist die dichte, leuchtend karminrote Blütenähre, die sich zunächst kegelförmig, später aber eiförmig darstellt. Selten sind hellere Farbvarianten bis hin zu weiß. Die Blüte trägt einen sehr langen fadenförmigen Sporn. Seitliche Sepalen weit abstehend, mittleres mit den Petalen ein lockeres Helmchen bildend. Lippe dreilappig, breiter als lang und mit zwei Längsleisten vor dem Sporneingang.

Standort:
Sonnige Berghänge, Magerwiesen und Gebüsche, seltener lichte Wälder. Stets auf Kalkböden, bei uns sehr wärmeliebend, verträgt nur mäßige Trockenheit.

Verbreitung und Bestandssituation:
Die Pyramiden-Orchidee dringt von Südwesten her nach Mitteleuropa vor und hat in der Rhön nur wenige Vorpostenstandorte. Oft tauchen bei uns nur einzelne Pflanzen auf, die keine Populationen bilden können und nach einiger Zeit wieder verschwinden. Einige alte Fundangaben der Pyramiden-Orchidee, beispielsweise aus dem Kreuzberg-Gebiet und aus dem Bergwinkel, blieben später unbestätigt und wurden daher von einigen Autoren als zweifelhaft angesehen. Doch auch heute tritt diese Art an neuen Fundorten singulär auf und verschwindet dann wieder – warum sollte das nicht früher auch schon so gewesen sein? Die Neufunde der letzten Jahre weisen auf eine deutliche Ausbreitungstendenz dieser Art hin, wenngleich an den meisten Standorten nur eine oder wenige Pflanzen zu finden sind; nur am Südrand des Gebietes gibt es relativ stabile Populationen, die Bestands- und Gefährdungssituation in der Rhön ist daher insgesamt (noch?) als kritisch zu bewerten. In der Rhön liegen die Fundorte weit über das Gebiet verstreut im Tal der Fränkischen Saale, im Bergwinkel, im Werratal und auch in der Fuldaer Kuppenrhön, wo jüngst auch Neu- und Wiederfunde gelangen.

Gefährdung:
In der Rhön ist die Pyramiden-Orchidee aufgrund ihres unsteten Auftretens stark bedroht. Durch starke Verfilzung und Verbuschung an vielen Standorten besteht eine akute Bedrohung für diese Art. Außerdem werden die Pflanzen kurz vor der Blüte gern vom Wild abgefressen, so dass die Aussamung unterbleibt.

Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Pyramiden-Hundswurz