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Etymologie:
Bis vor kurzem wurde diese Art in der Gattung Orchis geführt. Die Einordnung in die Gattung Anacamptis erfolgte unter Berücksichtung phylogenetischer Gesichtspunkte. Anacamptis: von gr. ανακάμτειν anakamptein = aufbiegen, umbiegen. Dies bezieht sich vermutlich auf die aufgebogenen Höckerchen auf der Lippe der Stammart Anacamptis pyramidalis; morio: Die Bedeutung des umstritten. Eine Möglichkeit: von gr. μωρώς moros = närrisch, bei Plinius soll sich dieser Name möglicherweise auf eine halluzigene Pflanze bezogen haben.
Merkmale:
Kleine, kräftige Pflanze. 5-9 bis zu 15 cm lange Grundblätter, weiter oben folgen 3-4 scheidenartige Stängelblätter. Die Blütenähre ist nicht besonders reichblütig, 5-25 Blüten, oft fällt die etwas einseitswendige Anordnung der Blüten auf. Die Blüten sind sehr hübsch und variieren in der Farbe von dunkelrot über purpurviolett bis hin zu rosa und weiß. Die Perigonblätter haben eine charakteristische grüne Aderung und bilden ein aufgelockertes Helmchen. Lippe deutlich breiter als lang, 9-13 mm breit. Seitenlappen meist zurückgeschlagen, etwa so lang wie der Mittellappen, aber flächenmäßig um ein Vielfaches größer. Lippenmitte weißlich und mehr oder weniger stark mit dunklen Saftmalen besetzt. Sporn 8-11 mm lang, aufwärts gerichtet.
Standort:
Mäßig trockene bis mäßig feuchte Magerwiesen, Streuobstwiesen, seltener Magerrasen und lichte Wälder. Auf basischen bis schwach sauren Böden. Ausnahmsweise auch auf Kalkmagerrasen.
Verbreitung und Bestandssituation:
Noch zu Goldschmidts Zeiten war das Kleine Knabenkraut offenbar ein gewöhnlicher Anblick, extensive Wiesen und Weiden boten ihm geeignete Lebensräume. Goldschmidt schrieb 1908: »und doch gehört dieses Knabenkraut zu den verbreitetsten des Gebietes und muss für die Vorder-Rhön zu den gemeinsten Vertretern der Familie gezählt werden«. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft und der Einführung von mineralischen Düngemitteln gingen die Bestände bereits Anfang des 20. Jahrhunderts rapide zurück, bereits Ade notierte 1940: »durch Düngen der Wiesen bereits seltener werdend, trotz der allgemeinen ehemaligen Verbreitung durch das ganze Gebiet«. Diese Rückgänge halten noch heute an, da die verbliebenen Vorkommen nunmehr durch vollständige Nutzungsaufgabe und die damit verbundene Verbrachung und Gehölzsukzession bedroht sind. Da alte Fundortangaben meist über allgemeine Häufigkeitsangaben nicht hinausgehen, lassen sich die eklatanten Rückgänge kaum in Zahlen wiedergeben. Heute ist das Kleine Knabenkraut in der nördlichen und in der thüringischen Rhön ganz ausgestorben. Die meisten rezenten Vorkommen liegen im zentralen und südwestlichen Gebiet: in den Hangwiesen am Rande der Hohen Rhön, im Bergwinkel und in manchen Flusstälern der Südrhön. Nach Nutzungsaufgabe von Wirtschaftswiesen besiedelt das Kleine Knabenkraut stellenweise neue Standorte, beispielsweise in der Umgebung größerer Populationen. Solche Beobachtungen sind aber Ausnahmen, die Bestandsentwicklung ist tendenziell weiterhin stark rückläufig. Die Verbreitung ist heute sehr lückenhaft und die Gesamtsituation schon ziemlich kritisch. Noch immer gehen Vorkommen verloren, beispielsweise durch falsche Pflege auf sichergestellten Flächen oder gar durch Düngung in einem Naturschutzgebiet, die dort laut Verordnung sogar erlaubt ist. Glücklicherweise sind jedoch auch einige individuenreiche Fundorte mittlerweile gesichert und entwickeln sich gut. Angesichts der heutigen Bestandssituation sollten alle Vorkommen absoluten Schutz genießen.
Gefährdung:
In der Rhön ist das Kleine Knabenkraut insgesamt stark gefährdet, in einigen Gebietsteilen vom Aussterben bedroht, in der Thüringischen Rhön sogar ganz ausgestorben.
Variabilität:
Hinsichtlich der Blütenfärbung ist das Kleine Knabenkraut außerordenlich variabel. Neben der purpur-violetten Normalfärbung kommen von weißen bis hin zu schwarz-purpurnen Blütenfarben alle Nuancen vor. In größeren Beständen sind gelegentlich rein weiße Blüten mit grünen Adern zu finden (var. alba).
Hybriden:
In der Rhön bislang nicht nachgewiesen.
Gelegentlich wird von einer angeblichen Hybride des Manns-Knabenkrautes mit dem Kleinen Knabenkraut berichtet. („Orchis × morioides“ Brand 1904). Die beiden Arten kommen öfters gemeinsam vor, Hybriden sind nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch genetisch ausgeschlossen. Vermeintliche Funde beruhen wohl eher auf Verwechslungen mit untypischen Formen der beiden Arten.
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