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Etymologie:
Bis vor kurzem wurde diese Art in der Gattung Orchis geführt. Die Einordnung in die Gattung Anacamptis erfolgte unter Berücksichtung phylogenetischer Gesichtspunkte. Anacamptis: von gr. ανακάμτειν anakamptein = aufbiegen, umbiegen. Dies bezieht sich vermutlich auf die aufgebogenen Höckerchen auf der Lippe der Stammart Anacamptis pyramidalis; coriophora: von gr. κοριός corios = Wanze, gr. φερείν pherein = tragen.
Merkmale:
Pflanze mit 4-10 schmal-lanzettlichen, bis 15 cm langen bläulich-grünen Laubblättern. Diese stehen rosettenförmig am Stängelgrund, am Stängel folgen noch einige kleiner werdende Blättchen. Blütenstand reichblütig und dicht. Tragblatt etwa halb so lang wie der Fruchtknoten. Blüten relativ klein, wanzenartig riechend, mit braunen, granatroten und grünlichen Farbkomponenten. Die Perigonblätter bilden einen typischen geschnäbelten Helm. Sepalen 7-10 mm lang. Lippe dreilappig, bis 7 mm lang, rückwärts umgebogen. Sporn kegelförmig, nur 5-6 mm lang, ab-wärts gerichtet, am Ende leicht umgebogen.
Standort:
Streuwiesen, Feuchtwiesen, Magerwiesen, etwas wärmeliebend. Auf relativ frischen bis feuchten basenreichen bis schwach sauren Böden.
Verbreitung und Bestandssituation:
Die wenigen bekannt gewordenen Fundorte dieser Art lagen bei Fulda, im Grabfeld und im Saaletal, sie wuchs in Riedwiesen. Das Wanzen-Knabenkraut war vermutlich die erste Orchideenart, die seit dem Beginn der botanischen Notizen aus unserer Gegend verschwand. Ehemalige Vorkommen im Saaletal sind von Mahr (1969) angegeben, jedoch nicht näher belegt. Bei Fulda wurde diese Art von Lieblein (1784) gefunden. Leider sind diese Angaben nie bestätigt worden, so dass bereits Goldschmidt (1908) die Richtigkeit der alten Angaben anzweifelte. Lieblein jedoch kannte das Wanzen-Knabenkraut zweifellos – seine Beschreibung ist jedenfalls eindeutig. Wechselfeuchte Riedwiesen der Flusstäler boten dieser Orchideenart auch in unserer Gegend geeignete Lebensbedingungen, doch möglicherweise reichten schon die Luft- und Wasserimmissionen der ersten Industrialisierungswelle Mitte des 19. Jahrhunderts aus, um dieser Pflanze den Garaus zu machen. In den Ländern Hessen und Thüringen sowie im bayerischen Bezirk Unterfranken ist das Wanzen-Knabenkraut offenbar komplett ausgestorben. Aufgrund extrem starker Rückgänge ist die Art im gesamten Bundesgebiet fast verschwunden, nur im Süden Deutschlands existieren noch einige wenige Vorkommen.
Gefährdung:
In der Rhön ist das Wanzen-Knabenkraut schon seit langem ausgestorben.
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